Soziale Netzwerke im Wahlkampf

In Vorbereitung auf die anstehenden Wahlkämpfe im „Superwahljahr“ machen sich die Parteien ja schon seit einiger Zeit Gedanken über die Nutzung von virtuellen sozialen Netzwerken. Neben diesem Großen macht man sich als Basiswahlkämpfer aber auch als Nutzer dieser Netzwerke natürlich so seine eigenen Gedanken.

Dabei stehen eigentlich nur wenige Fragen im Mittelpuntk:

Wo wird Wahlkampf gemacht und was sind dabei unsere Zielgruppen? Wer macht den Wahlkampf? Wie wird Wahlkampf gemacht? Wie findet die Vernetzung statt? Liest das überhaupt jemand?

Diese „wenigen“ Fragen beleuchten allerdings alle Aspekte der sozialen Netzwerke. Schon die Namen sagen teilweise welche Gruppe man dort findet und für welche Gruppe man hier eher keine Wahlwerbung machen braucht. Allgemein gilt allerdings: Wahlwerbung in virtuellen Netzwerken ist nicht mehr die klassische Werbung wie wir sie aus dem Straßenwahlkampf kennen. Das Aufstellen von Plakaten (in diesem Fall von Bildern/Bannern) und das massenhafte Verteilen von Broschüren gehört hier der Vergangenheit an. Zu groß sind die Streuverluste. Wie macht man es aber dann?

Mit diesen Fragen möchte ich mich in den kommenden Tagen, Wochen und vielleicht Monaten näher beschäftigen. Dabei werde ich vor allem auf die sozialen Netzwerke eingehen, bei denen ich selber Mitglied bin: StudiVZ/MeinVZ, Facebook, YouTube, Twitter.

Wer daran mitarbeiten will oder sogar andere Netzwerke beleuchten möchte kann sich gerne an meinen Beiträgen beteiligen. Ich würde mich freuen!

2 thoughts on “Soziale Netzwerke im Wahlkampf

  1. 23.02.2009 at 01:04

    Moin,

    alles sehr spannende Fragen – aber die wichtigste Frage ist aus meiner Sicht: Warum wird Wahlkampf gemacht. Und das lässt sich nicht pauschal beantworten, aber es ist für die Wahl des besten Mediums auch wichtig, warum ich kommuniziere.

    Emails scheinen im US-Wahlkampf endgültig zu einem guten Tool für das Fundraising geworden zu sein. Es ist einfach viel billiger als Post und hat ähnliche Konversionsraten.

    Eine gute Präsenz bei Facebook kann sicher etwas für die eigene Bekanntheit tun, aber in den Dimensionen, in denen das derzeit in Deutschland stattfindet (Angela Merkel hat 6.200 Supporter), wird das wohl nur über die Vermittlung durch Berichterstattung in den traditionellen Medien relevant. Eine gute Web2.0-Präsenz ist aber sicher ein einfacher Weg, Earned Media-Präsenz zu erhöhen.

    Ob durch Web2.0 schon mal jemand überzeugt wurde, ist fraglich und wird – soweit ich das hier sehen kann – auch unter den Experten eher verneinend diskutiert.

    YouTube in Kombination mit günstigen Videokameras ermöglicht es auch lokalen Kandidatinnen und Kandidaten, sich in Bild und Ton an die Wählerinnnen und Wähler zu wenden. Außerdem ermöglicht es denen, die schon Werbung fürs Fernsehen/Kino produzieren, diese mit weniger Kosten in die Öffentlichkeit zu drücken (wenn sie gut gemacht ist, gibt es einen „Hast Du schon gesehen“-Effekt). Oder man macht einfach gute Sachen, die man nie im Fernsehen zeigt. Hier zum Beispiel 290.000 Views zum Preis von fast nichts: http://www.youtube.com/watch?v=99HzP6BQm5Y

    Und eine breite Präsenz bei Twitter (nicht nur des Kandidaten, sondern auch des Unterstützerfelds) kann solche Sachen dann ins Netz pushen.

    Interessant ist übrigens bei YouTube, dass dieses 37-Minuten-Video mit knapp 6 Millionen aufrufen zu den erfolgreichsten Videos aus dem Obama-Camp gehört: http://www.youtube.com/watch?v=pWe7wTVbLUU&feature=channel_page Offenbar lässt sich YouTube gerade auch dazu nutzen, komplexere Themen zu adressieren.

    Andererseits kann mir vermutlich hauptsächlich Leute ansprechen, die schon interessiert sind und gezielt nach der Information suchen – aber immerhin ist es durch eine gute Webpräsenz viel einfacher, Informationen zur Verfügung zu stellen (das gilt dann auch für die Homepage).

    Ich bin jedenfalls gespannt, was Du so meinst.

  2. 23.02.2009 at 16:45

    Hallo Christoph,

    danke für deinen ausführlichen Kommentar. Ich werde am Ende sicherlich noch ein kurzes Fazit aus meinen Einzelauswertungen ziehen (müssen) und bin sehr gespannt auch andere, vielleicht sogar ganz gegensätzliche Meinungen. Ich will mir auch nicht anmaßen alle Netzwerke aus dem FF zu kennen und voll den Durchblick zu haben – deswegen erhoffe ich mir (u.a. hier im Blog) so einen kleinen Austausch an Meinungen und Erfahrungen.

    Ich will mit meiner „Analyse“ auch mal für mich so ein wenig hinter die Netzwerke und auf ihr Potential „für den kleinen Mann“ schauen. Ich bin vor einiger Zeit genau zu dem Thema Online-Wahlkampf, Netzwerke und Obama gefragt worden. Nachdem viele – zu meiner Überraschung – gemeint haben, dass man an Obama ja sehen könne, wie wichtig es sei, habe ich eher die Haltung „abwarten“ und „nicht überbewerten“ eingenommen.
    In den USA ist es doch ein wenig anders als hier und Obama hat ganz schön viel Geld und ManPower reingesteckt. So etwas können wir hier sicherlich nicht leisten…