Solotauch-Skills für alle!

alex_tauchenAls jemand, der bekennend und gerne mal alleine tauchen geht, war für mich eine Nachricht interessant, über die ich vor kurzem gestolpert bin: Der US-Tauchverband PADI (Professional Association of Diving Instructors) hat angekündigt eine Art Solotauchbrevet einzuführen. Der Name des Kurses: „Self Reliant Diver“. Das ganze könnte man also übersetzen mit „eigenverantwortlicher“, „selbstständiger“ oder auch als „unabhängiger“ Taucher.

Wer jetzt denkt, dass PADI damit dem Buddy-Prinzip den Rücken kehren möchte irrt. Der „Self Reliant Diver“ soll dem einzelnen Taucher im Buddy-Team stärken und auf mögliche Risiken vorbereiten. Dennoch scheint der Kurs als „Solotauchen“ anerkannt zu werden (z.B. bei Versicherungen).

Dieser Schritt ist grundsätzlich zu begrüßen (auch wenn er für PADI natürlich nicht nur bedeutet, dass man mit dem Trend geht, sondern dass man auch noch einen neuen Kurs hat den man verkaufen kann… 😉 ). Es kommt meiner Meinung dabei auch nicht darauf an, ob man danach wirklich solo tauchen geht, sondern dass man sich über mögliche Gefahren bewusst wird, lernt wie man sie bereits im Vorfeld vermeiden kann oder auch wie man mit Problemsituationen klar kommen könnte in denen der Buddy nicht oder nicht gleich hilft bzw. helfen kann.

Abgesehen vom Ausbildungsstand sollten alle Taucher ihre Fähigkeiten dahingehend erweitern und überlegen welche Solotauch-Aspekte sie auch für ihre Tauchgänge im Buddy-Team verwenden können. Neben den Fähigkeiten spielt aber beim Solotauchen noch ein  weiterer Gesichtspunkt eine noch elementarere Rolle: Die Ausrüstung. Mit einer Ausrüstung zu tauchen und sie wirklich zu kennen sind verschiedene Paar Schuhe. Klar, die Marke des tollen neuen Jackets kann man bei der Diskussion beim Dekobier nach dem Tauchgang spielend aufsagen – den Preis sowieso. Aber bedeutet das auch, dass man seine Ausrüstung blind beherrscht wenn es darauf ankommt? Nein. Zu oft sieht man Taucherinnen und Taucher deren Griff z.B. an den Faltenschlauch des Jackets Unterwasser ins Leere geht oder die gerade den Schnellablass suchen. Dabei sind es gerade solche Dinge, auf die es in Notsituationen ankommt.

Dementsprechend sind auch die bisher bekannten Solotauchkurse aufgebaut: Man erfährt alles über die benötigte Ausrüstung, den Umgang damit und geht Optimierungsmöglichkeiten durch, man vertieft die Tauchgangsplanung und in dem Zusammenhang das Gasmanagement und beschäftigt sich mit der Unfallanalyse und -vermeidung. In der Praxis werden diese Dinge dann angewendet und zudem noch ein Augenmerk auf das eigene taucherische Können gelegt.

Bei den Kursvoraussetzungen war ich ein wenig überrascht. Kritisiert man doch sonst immer die sehr niedrigen Hürden, hat PADI die Messlatte dieses Mal ein wenig höher gesetzt. Vorausgesetzt wird zwar nur ein AOWD, aber immerhin 100 absolvierte Tauchgänge. Das verwundert schon, da man bei PADI nur 60 Tauchgänge braucht um als Divemaster zertifiziert zu werden bzw. 100 für den OWD-Instructor…

Neben der Standard-Ausrüstung werden noch Boje oder Hebesack, Schreibtafel, sowie eine Backup-Maske gebraucht. Auch wird Wert auf eine redundante Gasversorgung (z.B. Doppelflaschen mit absperrbarer Brücke) und einen redundanten Tiefen- und Zeitmesser gelegt.

Ein Solotauchbrevet kann also eine sinnvolle Ergänzung der taucherischen Ausbildung sein. Nicht vergessen sollte man dabei auch spezielle Kurse wie „Stress & Rescue“, die nicht nur mit zu den wichtigsten Kursen beim Tauchen zählen, sondern dabei auch noch jede Menge Spaß machen.

Auf meine Nachfrage bei SSI wurde mir übrigens mitgeteilt, dass SSI nicht plant solch einen Kurs einzuführen. Schade eigentlich.

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