Social Network Analyse, Teil 1: YouTube

Allgemeines
YouTube ist ein Internet-Videoportal, welches 2005 in Kalifornien, USA, gegründet worden ist. Im Oktober 2006 wurde es dann von Google übernommen. Auf YouTube befinden sich Film- und Fernsehausschnitte, Musikvideos und selbstgedrehte Filme. Über YouTube ist es möglich sehr einfach Videos in Webseiten oder Blogs einzubinden.

YouTube ist inzwischen das führende Videoportal weltweit. Ende 2006 wurden täglich etwa 65.000 neue Videos hochgeladen und 100 Millionen Clips angesehen. Tendenz steigend. Neben YouTube gibt es in Deutschland noch andere große Video-Communitys: Clipfish und MyVideo. Dennoch ist YouTube auch hier weiterhin der Marktführer.

Zugang
Im Gegensatz zu einigen anderen virtuellen Netzwerken ist es bei YouTube nicht zwingend nötig sich zu registrieren. Um sich Videos anzuschauen oder selber einzubinden braucht man sich nicht am Portal anmelden. Dies ist lediglich notwendig, wenn man selber Videos publizieren will. Die einzige Bedingung für das Ansehen der Videos ist es, dass im Webbrowser das Adobe-Flash-Plugin installiert ist. Dies ist kostenlos verfügbar und für alle gängigen Browser verfügbar.

Videos veröffentlichen
Um Videos zu veröffentlichen braucht man eigentlich nicht viel tun. Man registriert sich bei YouTube mit einem Benutzername, der gleichzeitig auch der Name des eigenen Channels oder Kanals ist. Die Auswahl des Benutzernamens sollte also wohlüberlegt sein! In diesem Kanal sind dann später alle Videos zu finden, die man selber publiziert hat. Das Aussehen des Kanals kann man mit wenig Aufwand selber verändern.

Auch das Hochladen von Videos ist einfach: Über eine Auswahlmaske wird man dazu aufgefordert die entsprechende Videodatei auf dem eigenen PC auszuwählen. Dabei gibt es allerdings einige Dinge, die man beachten sollte: Die Videos dürfen maximal eine Länge von 10 Minuten oder eine Dateigröße von 1 Gigabyte haben. Zudem sollte die Auflösung beachtet werden. Tipps zum Hochladen sind hier zu finden.Während des Hochladens kann und sollte man noch Dinge wie den Namen oder die Beschreibung des Videos einfügen. Dadurch können die Videos später über die Suchfunktion leichter gefunden werden.

Aufwand, Ausrüstung und Kosten zum Erstellen von Videos
Sollen keine „High-End-Videos“ gedreht werden (bei den meisten ist es ohnehin natürlicher und persönlicher, wenn das nicht gemacht wird), dann reicht ein aktueller Digital-Camcorder vollkommen aus. Dieser ist schon ab 150 Euro zu bekommen, die gute Mittelklasse liegt bei ca. 400-600 Euro. Kameras über 1000 Euro sind nicht zwingend vonnöten.
Für die Qualität des Tons (gerade bei Interviews oder „Monologen“) ist es besser ein externes Mikrofon zu benutzen und nicht das eingebaute der Kamera.
Hat man das Video gedreht folgt die Nachbearbeitung. Hierfür gibt es auf dem Markt zahlreiche Software, sowohl OpenSource als auch kostenpflichtige Programme. Auf die einzelnen Programme näher einzugehen würde hier zu weit führen, das Preisspektrum bei kostenpflichtigen Programmen wie z.B. Magix, Pinnacle oder Videostudio aber liegt bei ca. 50-100 Euro. Zumindest alle Programme dieser Hersteller beherbergen eine Vielzahl von Möglichkeiten Videos zu schneiden, zu vertonen oder mit Effekten zu versehen.
Der Fantasie sind hierbei keine Grenzen gesetzt. Doch: Weniger ist oftmals mehr!

Übrigens: Kleine Video-Schnappschüsse kann man auch ganz einfach mit der Video-Funktion der Digi-Cam machen.

Die Community
Innerhalb von YouTube bestehen mehrere Möglichkeiten sich zu vernetzen oder einzubringen. Die einfachsten Möglichkeiten bestehen darin andere Kanäle zu abonnieren und deren Herausgeber als Freund hinzuzufügen. Durch Einbinden von Freunden und Abos auf seiner Kanalseite schafft man ein Netzwerk, durch das Besucher leicht auf andere Videos aufmerksam gemacht werden können. Durch die Abonnement-Funktion wird man zudem sofort über neue Videos informiert.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin Kommentare und Bewertungen zu Videos von anderen abzugeben. Natürlich kann man dabei auch Verweise auf seine eigenen Videos (solange sie zum ausgewählten Video passen) unterzubringen.

Durch die sogenannte Quick Capture Funktion können die Nutzer mit einer Webcam sofort z.B. Videoantworten aufnehmen und müssen sie nicht nach der Aufnahme hochladen.

Kosten
Das Anschauen der Videos und das Einrichten eines eigenen normalen Kanals auf YouTube sind kostenlos. Kosten können allerdings für die Ausrüstung zum Aufnehmen von Videos anfallen (s.o.).

Zielgruppen und Altersgruppen
Die genaue Zielgruppe ist bei YouTube nur schwer auszumachen. Durch die Bandbreite an Videos richtet sich das Portal an mehr oder wenige alle Personenkreise und Altersgruppen.
Dadurch, dass man sich nicht registrieren muss – also keine Zugangsbarrieren vorhanden sind – und man so alle Inhalte sofort sehen kann, ist die Zahl der potenziellen Nutzer ohnehin größer.

Vernetzung mit anderen Diensten/Netzwerken
Durch YouTube ist es leicht Videos in die eigene Internetseite oder den eigenen Blog einzubinden. Hierzu braucht man sich nur den vorgefertigten Code kopieren und in seiner Seite einfügen. Bei den Plattformen von Facebook und MySpace gibt es entsprechende Funktionen um Videos von YouTube einzubinden.

Beispiele für SPD-Kanäle:
SPD-Parteivorstand: http://www.youtube.com/user/SPDvision
SPD-Rheinland-Pfalz: http://www.youtube.com/user/SPDrlpVision
Matthias Groote, MdEP: http://www.youtube.com/user/matthiasgroote

Guerilla-Marketing:
Für den anstehenden Bundestagswahlkampf ist meiner Meinung nach wieder vermehrt mit sogenanntem Guerilla-Marketing zu rechnen. Damit sind im Allgemeinen ungewöhnliche Aktionen gemeint, die mit geringem Mitteleinsatz  eine große Wirkung erzielen (sollen). Schon im Bundestagswahlkampf 2005 wurde YouTube dafür benutzt und es ist davon auszugehen, dass dies in diesem Jahr sogar noch vermehrt passieren wird.
Wir können also mit vielen zum Teil mehr oder weniger lustigen Clips zum Beispiel gegen den politischen Gegner aber auch mit Fake-Videos rechnen.
Da bei solchen Inhalten die Authentizität und Herkunft häufig nur schwer zu beurteilen ist, ist beim Einbinden und Verbreiten unter Umständen Vorsicht geboten!
Bedenken sollte man hier auch, ob es Sinn macht und nicht vielleicht sogar schädlich sein könnte solche Maßnahmen aktiv (z.B. auf der Kandidaten-Webseite zu verbreiten). Gegen eine Verbreitung auf privaten Webseiten und Blogs sowie über die verschiedenen sozialen Netzwerke spricht dagegen allerdings nur wenig.

Fazit
Videos sind „in“ und sagen meistens viel mehr aus als Fotos oder Texte es könnten.
Der Parteivorstand, verschiedene Landesverbände und andere Gliederungen der SPD nutzen bereits eigene Kanäle. Dabei ist das Angebot an Themen groß: Es reicht von Parteitags- oder Veranstaltungsreden über Wahlkampfspots bis hin zu Themenvorstellungen und allgemein gehaltenen Vorstellungsvideos.

Auch für Kandidaten und Abgeordnete bietet YouTube einige Möglichkeiten: Hier ließen sich ebenso wie Videos über den Wahlkreis auch ein Vorstellungsvideo des Kandidaten/der Kandidatin drehen. Anbieten würde sich auch ein Einblick in die tägliche politische Arbeit, die Dokumentation der Teilnahme an und von Redebeiträgen bei Veranstaltungen. Zudem könnte man Interviews mit verschiedenen Gruppen führen: z.B. Kinder, Schüler, Arbeitnehmer, Selbstständige, Unternehmer, Rentner. Dabei hat man gleich die richtige Zielgruppe für das Thema des Videos.

Man kann die Interaktivität des Videoangebots noch weiter steigern indem man die Zuschauer, aber vor allem auch die Bürger vor Ort, auffordert Fragen zu stellen und diese dann im Video beantwortet. Eine weitere Möglichkeit wäre es, dass die Fragen auch in kleinen selber gedrehten Videos formuliert werden (z.B. über die Quick Capture Funktion). Die Beantwortung erfolgt dann ebenfalls in einem Video. Der Vorteil bei dieser Methode ist es, dass man die Leute mit dem Hinweis auf die Videos neugierig machen und sie auf seine Internetseite ziehen kann. Dort findet der neugierige Bürger neben dem Video noch viele andere wichtige Informationen.
Der Nachteil liegt hier allerdings auf der Hand und den kann man auch nur schwer beeinflussen: Das Mitwirken von anderen. Nichts ist peinlicher als das Ausbleiben von Reaktionen und Fragen wenn man Angebote in dieser Richtung macht.

Das heißt also, dass man sich nicht in erster Linie auf so was konzentrieren sollte und stattdessen lieber allgemeinere Videos als Grundstock anbieten sollte.
Damit verknüpft stellt sich die Frage wie viele Videos man einstellen sollte. Ich habe lange überlegt und bin zu dem Schluss gekommen, dass sich eine Vielzahl von Videoclips nicht lohnt. Wenn man sich den doch irgendwo vorhandenen Aufwand im Vergleich zu den Nutzern anschaut, so überwiegt der Aufwand den Nutzen.

Folglich ist ein Mix aus den oben beschriebenen Videoarten wohl am besten: Anfangen könnte man zum Beispiel mit einem Begrüßungsvideo, das durch ein Video vom Wahlkreis und von einem oder mehreren Videos zur politischen Arbeit ergänzt wird. Im Wahlkampf kann man dieses Fundament dann um Videos von ausgewählten Reden und von Interviews zu aktuellen Themen ergänzen. Zum Abschluss bietet sich dann sicherlich noch mal ein „Wahlaufruf“-Video an.

Beachten sollte man vielleicht auch was der politische Gegner und speziell der Kandidat / die Kandidatin macht. Hier bietet es sich an im eigenen Video darauf einzugehen.

Insgesamt ist YouTube eine nette und nützliche Ergänzung für den Wahlkampf und speziell für die Kandidaten. Allerdings sollte man sich vorher im Klaren sein wer was kann und wer was macht. Auf schlechte Videos oder bei einem Video für den ganzen Wahlkampf sollte man vielleicht eher ganz darauf verzichten. Die angesprochene Einbindung in andere Medien und Netzwerke ist auf jeden Fall ein großes Plus für YouTube. Man kann so mit einem Arbeitsschritt mehrere Medien bedienen.

3 thoughts on “Social Network Analyse, Teil 1: YouTube

  1. 08.03.2009 at 19:51

    Noch eine Ergänzung zum Thema „Zugang“ (Flash), quasi direkt zum Übernehmen (wenn Du willst):

    Obwohl das Apple iPhone (und der iPod touch) keine Flash-Unterstützung aufweisen, kann man einen Großteil der bei YouTube gehosteten Videos dennoch auf diesen Plattformen abspielen. Zusammen mit speziellen Handy-Versionen der YouTube-Plattform wird dadurch erreicht, dass YouTube-Videos auch beim mobilen Internet führend sind.

  2. Bsucher
    09.03.2009 at 22:53

    Du hast dir ja sehr viel Mühe gegeben bei diesem Artikel. Hut ab!
    Ich finde alles sehr fundiert und nachvollziehbar. In der Beurteilung stimme ich mit dir überein.
    Der Mix aus den von dir angesprochenen Möglichkeiten ist wahrscheinlich der beste den man mit YouTube für die Wahl auswählen kann. Zumindest würde er mir und vielen aus meinem Bekanntenkreis wohl am ehesten zusagen.

    Da ich politisch ja ungebunden bin, sehe ich das auch aus einer anderen Sicht, als du oder eine Agentur z.B. Das soll nichts gegen dich oder eine Agentur sein, ich meine damit nur, dass man doch bewusst oder meistens eher unbewusst eine „rosa“ oder hier rote Brille aufhat und die Sachen aus seiner Sicht darstellt und bewertet.

    Dies kann ich hier aber gar nicht erkennen und freue mich auf die weiteren Artikel zu den anderen Social Networks von dir! Weiter so!

  3. 09.03.2009 at 23:06

    Vielen Dank für die kommentare und @Jens für den Hinweis bzw. sogar gleich die Ergänzung.

    Ich habe in der Tat die mobilen Endgeräte wie Smartphones, Blackberrys etc. pp. in meiner Analyse und den vorher aufgestellten Kriterien vollkommen vergessen. Kann mir gar nicht erklären, warum ich daran nicht gedacht habe 🙁

    Ich werde demnächst ein kleines Update oben einstellen und dann diesen „Fehler“ beheben.

    Ich hoffe, dass ich den nächsten Text (vermutlich über Flickr) bereits am kommenden Wochenende veröffentlichen kann.