Relaunch von SPD.de

Neu: SPD.de

Wie ich hier berichtete, hat die SPD am gestrigen Donnerstag ihren neuen Internetauftritt online ge- und der Öffentlichkeit vorgestellt. Seitdem habe ich mich auf der neuen Internetseite ein wenig umgeschaut und muss zuerst einmal festhalten: Die SPD geht im Internet neue Wege!

Ungewöhnlich ist das ja nicht: Bereits 2002 mit dem Online Campagning Team (OCT) oder beispielsweise mit der Community meinespd.net hat die SPD in der Vergangenheit deutlich gemacht, wer „die Internetpartei“ in Deutschland ist. Auch wenn wir nicht die USA sind, Obama hat es vorgemacht: Das Internet ist ein wichtiger Baustein für den Wahlsieg.

Aber nun zur Seite:
Das erste was auffällt ist – die Farbe! Huch, was ist das? Anstatt rot, dunkel-blau oder dem „heißgeliebte“ umbra vom letzten Wahlkampf springen einem nun verschiedene blau Töne entgegen. Zugegebenermaßen gewöhnungsbedürftig, denn viel rot ist ja nun nicht mehr zu sehen. Doch wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat muss man sagen: Eigentlich sieht es gar nicht mal so schlecht aus. Es wirkt frisch und passt farblich zum Europawahlkampf.

Das nächste ist ohne Zweifel das große Bild in der Mitte der Seite, das den aktuellen Artikel bzw. das Thema anteasert. Durch das Bild wirkt die Seite offen und ansprechend – so wie man das halt will ūüėČ

Wichtige Bereiche des Internetauftritts sind prominent auf der Startseite vertreten. Mit attraktiven Icons kommt man so direkt zum Beispiel zu meineSPD.net, zur Mitglied-werden-Seite, zum Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier oder zu allem rund um Europa. Bis auf die Icons ist von der Navigation erstmal nichts zu sehen, die muss – oder kann – man nämlich erst einmal über einen Button ausklappen. Die im Normalfall fehlende Navigation¬† (auf der Startseite) lässt meiner Meinung nach das Portal übersichtlicher und lebendiger erscheinen.

Neben der Farbe hat sich noch etwas drastisch verändert: Das SPD-Logo und der Claim. Mit „Anpacken für unser Land“ und einem 3D-Würfel ziehen wir nun in das Superwahljahr. Auch dieser Würfel trägt dazu bei, dass der Auftritt moderner und lebendiger erscheint. Früher war an dieser Stelle einfach nur das einfache Quadrat. Ich bin mir noch nicht so ganz sicher, was ich von dem Würfel halten soll, irgendwie schick aber irgendwie auch komisch…
Zudem bin ich gespannt, wie sie dieses für den Print-Bereich umsetzen wollen…
Auch beim Thema Barrierefreiheit setzt die SPD nach eigenen Angaben neue Maßstäbe. In der Pressemitteilung heißt es:

Der neue Internetauftritt ist aufgrund seiner barrierefreien Struktur einem sehr großen Benutzerkreis zugänglich. Das Konzept der Multi-Content-Box auf der Startseite nutzt die neuesten Technologien (AJAX) für eine zeitgemäße Benutzerführung. Darüber hinaus sind die Startseiteninhalte alternativ auch in einer klassischen barrierefreien Gestaltung abrufbar. Die SPD strebt eine weitgehende Konformität an mit den Anforderungen der Web Content Accessibility Guidelines (WCAG 2.0) und versteht Barrierefreiheit als einen kontinuierlichen Prozess.

Dieses Thema ist gerade im öffentlich-politischen Bereich immens wichtig und wird dort leider noch viel zu wenig beachtet.

Die Blogosphäre diskutiert jedenfalls sehr heiß über den neuen Internetauftritt der SPD. Wer sich noch weitere Meinungen durchlesen möchte kann diese zum Beispiel hier, hier, hier, hier, hier oder auch hier tun.

Ach ja: Die Seite wurde übrigens mal wieder von der Agentur face2net erstellt. Die kenne ich durch mein Praktikum während des Wahlkampfes 2005 ja nur zu gut ūüėČ

Als Fazit bleibt mir erstmal nur festzuhalten, dass die Seite sicherlich gewöhnungsbedürftig, aber alles in allem sehr gut geworden ist. Das Interesse scheint jedenfalls riesig zu sein. Gestern und heute brach der Server aufgrund des Ansturms ziemlich oft zusammen. Gespannt warte ich jetzt darauf, was noch alles im Internet passieren wird. Bei Sebastian Reichel habe ich gelesen, dass der Relaunch von spd.de nur der Auftakt gewesen sein soll…

6 thoughts on “Relaunch von SPD.de

  1. 11.01.2009 at 20:37

    Den Anspruch der Barrierefreiheit zu entsprechen halte ich gerade f√ľr eine Volkspartei sehr relevant. Dennoch kann ich mich dar√ľber hinaus deiner positiven Kritik nicht wirklich anschlie√üen. Optisch, technisch und die Originalit√§t betreffend l√§sst der Relaunch doch sehr stark zu w√ľnschen √ľbrig. Bieder und trocken der Gesamteindruck und der Schritt in Richtung Web 2.0 wirkt unbeholfen und dilettantisch aufgesetzt.
    Bin wahrlich kein Fan davon Mode und Trends hinterherzuhecheln, aber mit etwas weniger PR und etwas mehr √Ėffnung zur Webwelt h√§tte die SPD sich einen wirklich Pluspunkt erarbeitet.

    Soweit gr√ľ√üt
    Cornelius H.

  2. 11.01.2009 at 21:20

    Hallo Cornelius,

    sicherlich, der derzeitige Internetauftritt der SPD lässt noch viel Platz nach oben (wenn ich das mal so formulieren darf), aber ich denke, dass damit der erste Schritt in die richtige Richtung getan ist. Und zu Gute halten muss man wirklich, dass die SPD dies als erste Partei in Deutschland gewagt hat.
    Eigentlich schon erschreckend, dass da in den letzten Jahren noch nichts weiter passiert ist. Auch wenn wir Deutschen aus verschiedenen Gr√ľnden sicherlich nicht so Internetbegeistert – oder zumindest affin – sind, so hinken wir den „Trends“ doch immer um einige Jahre hinterher…
    Was h√§ttest du denn noch f√ľr Vorschl√§ge, was man in Richtung Web 2.0 hin machen k√∂nnte?

  3. 11.01.2009 at 22:12

    Nochmal kurz meine Info. Unter http://wieichreichwurde.blogspot.com/2009/01/spdde-relaunch-kritiken.html hab ich mir erlaubt in einem Kritik-√úberblick auf deinen umfangreichen Beitrag zu verweisen.

    Zu deiner Frage was noch in Richtung Web 2.0 gehen könnte:
    Eine Partei steht auch heute nicht in der Pflicht mit absoluter Modernität und Innovation zu glänzen. Es fehlen Kleinigkeiten РDinge die Obamas Team richtig gemacht hatte.
    Internetuser wollen kommunizieren, mitreden, ernstgenommen werden. Diejenigen, die der SPD nahestehen, w√ľrden sicher auch gern unterst√ľtzend aktiv werden. All dies bleibt unterbunden. Nicht einmal Kommentarfunktionen, G√§steb√ľcher oder √§hnliche Banalit√§ten werden angeboten. Der ganze Auftritt und sein Umfeld bleiben hochoffiziell – PR-lastig und voller Selbstbeweihr√§ucherung. Leblos eben, da hilft der glorreichste Relaunch und twitternde Abgeordnete nichts. Eine √Ėffnung nach Au√üen und meine ganze KRitik w√§re hinf√§llig.

  4. Pingback: claudia bloggt