Obamamania?

Der Demokratische US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama kommt morgen nach Berlin, offiziell um über die transatlantischen Beziehungen zwischen Deutschland und den USA zu reden.
Aber eigentlich ist es schlicht und ergreifend Wahlkampf. Bald geht es in den USA in die heiße Phase des Präsidentschaftswahlkampfes – und die Tour von Obama um den halben Globus ist sozusagen das Vorglühen, das Warm Up, dazu.

Es geht schon jetzt darum in den USA weiter auf sich Aufmerksam zu machen und sich als außenpolitschen Hochkaräter (oder besser gesagt potenziellen) zu präsentieren. Wie auch immer, jeder Schritt, jedes Wort und jede noch so kleine Bewegung wird von den mitreisenden amerikanischen Reportern beobachtet, kommentiert und umgehend nach Hause in die USA gesendet. Jeder Auftritt und jede Rede des Kandidaten sind Chance und Risiko zugleich. Bloß keinen Fehler machen.
Aus diesem Grund ist die Rede von Barack Obama in der Berlin so interessant. Wie verhält er sich gegenüber denjenigen, die den Krieg im Irak nicht mitgemacht und sogar abgelehnt haben?

Aber da ist noch mehr. Er wird nicht nur einfach einen Besuch in Berlin machen, nein er wird wie ein Staatsmann eine große Rede halten – und zwar an keinem geringeren Ort als der Siegessäule. Zehntausende Menschen werden erwartet um ihn anzuhören und ihm zuzujubeln. Es wird Absprerrungen ohne Ende geben und ein Sicherheitssystem, welches an das in Flughäfen erinnern soll.

Doch brauchen wir das alles? Warum jubeln wir einem US-Senator, der erst noch Präsident werden will schon so zu? Was hat er denn bereits geleistet? Wofür steht er? Fragen, auf die ich keine befriedigende Antwort finden mag. Obama ist wenig fassbar. Mal so mal so. Smart aber vielleicht ein wenig zu smart. Auf jeden Fall Sympatisch. Das kann ihm keiner nehmen – und da hat er einen dicken Vorteil gegenüber seinem Kontrahenten John McCain.

Ich möchte weniger auf die politische Auseinandersetzung zwischen den beiden eingehen, sondern lieber wieder auf die Wahlkampftour von Obama eingehen. Man muss sich fragen, ob man solch eine Vereinnahmung mit sich machen lässt. Denn Obama geht es nicht um Berlin oder um Deutschland. Ihm geht es vor allem um die Steigerung seiner Chancen zu gewinnen. Kann er nun schon nicht vor dem Brandenburger Tor reden, so wird an der Siegessäule wohl doch alles so aufgebaut, dass das bekannte Brandenburger Tor zumindest im Fernsehen für das US-Publikum zu sehen sein wird. Deutsche Journalisten spielen bei Obamas Tour durch Berlin so gut wie keine Rolle. Beacht werden vor allem die amerikanischen Kollegen. Interviews gibt Barack Obama erst recht keine. Und auch den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, wird er nicht im Roten Rathaus besuchen um sich dort in das Goldene Buch der Stadt einzutragen. Die Rede an der „Goldelse“ soll übrigens um Punkt 19 Uhr beginnen – genau zur besten Sendezeit im vormittäglichen Fernsehprogramm in den USA…

Trotz aller Vorbehalte: Gespannt sein dürfen wir auf jeden Fall. Aber von einer „Obamamania“ (O-Ton Medien) zu sprechen halte ich doch für vollkommen übertrieben. Warum auch???
Aber warten den morgigen O-Day erst einmal ab – und dann natürlich die Wahlen. Denn keiner weiß ja, ob er auch wirklich Präsident wird. Und dann dann wäre das ganze Tamtam morgen vollkommen umsonst gewesen…