Mr. Pofalla, tear down this Poster!

Der Bundestagswahlkampf der CDU, gerade in Berlin, ist überschattet von Pleiten, Pech und Pannen. Erst sorgte das peinliche Busen-Bild von Vera Lengsfeld und Angela Merkel für Aufregung – vor allem aber für Hohn und Spott – und dann der neue Wahlkampf-Slogan. „Wir haben die Kraft“ kann man nun überall lesen. Gibt man ihn als Internetadresse in den Browser ein, so landet man direkt bei der Piratenpartei. Diese bzw. ein Anhänger hat die Domain nämlich registriert und auf das Piraten-Internetangebot weitergeleitet.

„Dumm“ könnte man solche Fehler nennen, aber es zeigt auch, wie schlecht die CDU im (Internet-) Wahlkampf organisiert ist.

Das nächste Problem folgte gleich auf dem Fuß:

Als größtes Wahlplakat der Republik gefeiert, als Highlight im Wahlkampf angekündigt, wurde mit großem TamTam ein Riesen-Plakat am Charlottenburger Tor präsentiert. CDU-Generalsekretär Pofalla feierte – vor allem sich selbst.

Doch etwas wurde übersehen: Dort darf überhaupt keine politische Werbung angebracht werden. In dem Vertrag, welchen das Bezirksamt mit der Berliner Stiftung Denkmalschutz (die die Kandelaber am Charlottenburger Tor restauriert und dafür dort werben darf) geschlossen hat, ist politische und religiöse Werbung strikt verboten.

Der zuständige Baustadtrat Gröhler – lustigerweise auch von der CDU – musste sofort die Entfernung des Plakats anmahnen. Nach einigem Hin und Her machte dies auch die Stiftung Denkmalschutz gegenüber ihrem Werbepartner Megaposter.

Aber einer will von dieser Rechtswidrigkeit nichts wissen und spielt die Unschuld vom Lande: Ronald Pofalla. Der beharrte bei Presseanfragen darauf, dass alles rechtmäßig sei – obwohl er da bereits mit seinem Parteifreund Gröhler telefoniert hatte…

Die Stiftung Denkmalschutz erklärte gestern, dass Megaposter von der Klausel wusste und dies in dem Vertrag mit der CDU nur „verbaselt“ hätte…

Man fragt sich schon, wie man so eine wichtige Vertragspassage „verbaseln“ kann, wenn es um solche Summen geht. Schließlich sprechen wir hier von einer Summe in sechsstelliger Höhe!

Auch die nächsten Zeilen der Erklärung der Stiftung sorgten für Verwunderung. Man suche eine gemeinsame Lösung mit Megaposter und der CDU. Schließlich könnte man der spendablen Megaposter ja die zu erwartende hohe Regressforderung der CDU nicht zumuten.
Trotzdem habe man Megaposter dazu aufgefordert das Plakat zu entfernen – dafür haben die aber nun 4 Wochen Zeit.

Wer das jetzt genau berachtet, dem wird etwas auffallen. Genau: In vier Wochen ist die Bundestagswahl gelaufen, das Plakat würde eh abgenommen werden und der CDU wäre das egal!

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Man muss sich schon fragen, ob das Ganze nicht absichtlich so eingefädelt worden ist.

Eins ist klar: Das Plakat muss weg! Und zwar sofort!
Deswegen fordere ich die CDU – und vor allem ihren Generalsekretär Ronald Pofalla – auf:

Generalsekretär Pofalla, wenn Sie nach einem ehrlichen Wahlkampf streben, wenn Sie keinen weiteren unnötigen Ärger für die CDU und die Stiftung wünschen, wenn Sie keinen Rechtsverstoß wollen, dann kommen Sie hierher zu diesem Tor. Mr. Pofalla, tear down this poster!

Update, 21:00 Uhr:

Wie zu hören ist, haben sich CDU und die Stiftung Denkmalschutz nun auf einen ziemlich faulen Kompromiss verständigt. Logo und Claim der CDU sollen verschwinden und neutral dazu aufrufen zur Wahl zu gehen. Wie ein Plakat, das die letzten Tage so in der Öffentlichkeit stand nun „neutral“ sein kann, muss man mir allerdings erstmal erklären…

2 thoughts on “Mr. Pofalla, tear down this Poster!

  1. Anke
    04.09.2009 at 13:25

    „Wir haben die Kraft“ geht in NRW ebenso wenig…. Man bekommt richtig einen Schreck. Liest sich wie eine Lösegeldforderung für die NRWSPD. Denn sie haben die Kraft – Hannelore Kraft.