Merkel und das 2. TV-Duell – was sie uns damit wirklich sagt

Wenn es nicht so ernst wäre, dann hätte ich mir die Bemühungen von Merkel um ein zweites TV-Duell herum zu kommen eher amüsiert anschauen können. Ihre vergeblichen (und fast schon lächerlichen) Versuche vorzugeben sie hätte zu viele Termine um sich auf ein zweites Duell vorzubereiten (wie gut, dass Schröder keine hat?) und könne deswegen nicht an einem zweiten Duell teilnehmen, sind nur zu leicht durchschaubar, sondern auch extrem billig.

Den Argumenten, dass die TV-Duelle 2002 von über 15 Millionen Menschen gesehen worden waren, diese (besonders in einem solch kurzem Wahlkampf jetzt) sehr wichtig für die Meinungsbildung sind und dazu beitragen (bzw. beigetragen haben), dass die Wahlbeteiligung steigt, wurde zwar ausdrücklich zugestimmt ? sie wurden aber gleichzeitig wieder als weniger wichtig dargestellt?

Dass Stoiber es ablehnt, das zweite Duell gegen Schröder zu bestreiten kann ich verstehen (er hat ja bereits negative Erfahrung damit gemacht), aber der Grund erschließt sich mir auch nicht. Er meinte, dass Schröder ?mit seinen Mätzen (in Bezug auf TV-Duelle) aufhören solle? und dass man nicht in Amerika sei. Gleichzeitig wurde aber vorgeschlagen, dass es ein Duell aller Parteivorsitzenden geben solle (?Elefantenrunde?). Komisch, oder? Wenn ich das richtig sehe, dann würde auch Merkel und Stoiber zu einer solchen Elefantenrunde gehören, oder?! Merkwürdig wie ich finde ? für so was hat Merkel dann doch Zeit???

Wie auch immer. Kommen wir zum Ernsthaften.
Was kann man an dieser Sache über Merkel erfahren?
Hier mal ein paar Sachen:

  • Sie benutzt billige Ausreden um sich zu drücken
  • Sie scheut die direkte Konfrontation
  • Sie ist nicht mutig genug (um ihre Positionen offensiv zu vertreten)
  • Sie kann scheinbar nur gut gecoacht in solch eine Auseinandersetzung gehen. Kennt sie ihr Programm nicht gut genug?

Was sagt das nun genau über eine etwaige Kanzlerin Merkel?
Der erste Punkt ist schon kritisch für eine Kanzlerin / einen Kanzler. Als Kanzler bist du oft offener Kritik ausgesetzt und musst diese möglichst gut zerstreuen ? oft offen und in direktem Kontakt. Dass das nicht gerade Merkels Stärke ist haben wir schon öfters gesehen. Bestes Beispiel sind ihre (Ex-) ?Gegner? in den eigenen Reihen. Die Leute aus der zweiten Reihe hat sie hintenherum weg gebissen: Merz, Schäuble, Kohl, Seehofer, etc. Bei dem einzigen aus der ersten Reihe ist sie dann aber gleich gescheitert: 2002 mit der Kanzlerkandidatur an Edmund Stoiber. Bei dem berühmten Wolfratshausener Frühstück musste sie gleich klein bei geben.

Das mit dem Mutig ist auch so eine Sache, was sich für die Politik eines Kanzlers sehr negativ auswirkt. Als Kanzler ist man oft in der Situation schnell Entscheidungen treffen zu müssen ? und dann auch noch die richtigen. Eine politisch ängstliche Merkel die dazu immer noch vorher erst richtig gecoacht werden muss, würden Deutschland Innen- und vor allem Außenpolitisch schwere Zeiten bevorstehen.

Übrigens, was das Vorbereitetsein von Merkel angeht: In dem Sommerinterview mit der ARD verwechselte Merkel nicht nur Brutto- und Nettolöhne, sondern meinte auch, dass die Löhne mit ihren Plänen sinken werden (anstatt steigen)?
Nun ja.

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