Joe der Klempner

Es sollte McCains Ass im Ärmel beim letzten TV-Duell gegen seinen demokratischen Konkurrenten Obama sein: Die Geschichte von Joe dem Klempner. Doch es wurde – mal wieder muss man sagen – zum Desaster für den Republikaner.

Es fing schon während des TV-Duells an: Gut 20 Mal holte McCain Joe aus der Tasche um Obamas Wirtschafts- und Steuerpolitik zu kritisieren und zu zeigen, dass Obama schlecht für den Mittelstand sei.

Doch wer ist eigentlich Joe?
Joe Wurzelbacher – oder Wurzelburger wie McCain meinte – ein Klempner aus Holland, Ohio war einige Tage zuvor auf einer Wahlkampfveranstaltung von Obama gewesen und hatte ihn ausgefragt, wie es steuerlich aussehen würde, wenn er die Firma seines Chefs kaufen würde und Obama Präsident wäre. Er erklärte, dass er gegen Steuererhöhungen sei und meinte, dass ein Geschäftsmann, der 250.000 Dollar im Jahr verdient, nicht mehr Steuern bezahlen soll, als jemand, der deutlich weniger verdient. Obama aber wolle Besserverdienende mehr zur Kasse bitten, was aber aus seiner Sichtweise „sozialistisch“ und „falsch“ sei.

Statt Obama nun vollkommen in die Ecke zu stellen, weil er dem guten, fleißigen Amerikaner, der den amerikanischen Traum verwirklichen wolle, schröpfen wolle, musste McCain zum Schluss einstecken. Obama wandte sich in seiner durchaus charmanten und entwaffnenden Art über die Kamera direkt an Joe und versprach ihm, dass dem nicht so sein werde.

Damit ist die Geschichte aber noch nicht zu Ende:
Wie jetzt herauskam, ist der „gute“ Joe doch nicht ganz so „gut amerikanisch“ und vorzeigbar wie McCain das gerne hätte. Es fängt schon beim Namen an: Wie die „New York Times“ schreibt, heißt er gar nicht Joe Wurzelbacher sondern Joseph Samuel Worzelbacher.Der „falsche“ Name steht so im Wählerverzeichnis und kam scheinbar aufgrund einer schlechten Handschrift zustande. Ändern lassen hat es Worzelbacher aber bisher nicht…
Es geht weiter mit seinem Beruf. Er arbeitet zwar als Klempner, aber ein wirklicher Klempner ist er nicht. Er hat weder eine Ausbildung hierzu absolviert, noch eine gültige Lizenz zur Ausübung seines Berufes.
Nach eigenen Angaben brauche er dies auch nicht, weil ja sein Chef eine Lizenz habe (nur wie will er dann die Firma übernehmen???).

Ein Paradebeispiel für einen Kleinunternehmer ist der gute Mann aber auch nicht wirklich – denn: Welcher Kleinunternehmer verdient schon 250.000 US-Dollar (und mehr) im Monat?!?

Aber davon mal ganz abgesehen. Experten haben in den US-Medien ausgerechnet, dass Joe Worzelbacher sowohl unter McCain als auch unter Obama deutlich (zwischen 6 und 10 Prozent) weniger Steuern zahlen müsste als bisher! Die Behauptung von McCain – mit der er im Übrigen jetzt groß durch die Lande tingelt – ist also absolut falsch!

Um noch einmal auf den „guten“ Joe zurückzukommen: Er wollte ja Steuererleichterungen. Warum will er die? – Ok, wenn es danach geht, dann will jeder weniger Steuern zahlen – Aber gibt es vielleicht nicht auch einen konkreten Anlass?!
Den gibt es: Joe scheint auch jetzt schon der Meinung zu sein, dass er zu viel bezahlt: Er hat einfach mal zu wenig Steuern an das Finanzamt von Ohio bezahlt. Insgesamt soll sein Rückstand satte 1200 Dollar betragen. Aus diesem Grund ist noch ein Gerichtsverfahren gegen ihn anhängig.

Abschließend bleibt also festzuhalten, dass McCain mit Joe dem Klempner mal wieder keinen guten Griff getan hat. Man könnte sogar sagen, dass er voll ins Klo gepackt hat…