EU will stärker gegen das Hai-Finning vorgehen

Foto: LeopardenhaiDie EU rühmt sich ja gerne als Vorreiterin in bestimmten politischen und gesellschaftlichen Fragen. In einer Frage gilt das sicher nicht: Dem Schutz von Haien.

Speziell geht es hier um das Thema Hai-Finning.

Beim sogenannten Finning werden den – fast ausschließlich noch lebenden – Haien die Flossen abgeschnitten. Während die Flossen im Laderaum des Fischkutters verschwinden, werden die Haikörper wieder über Bord geworfen. Die Haie sinken hilflos zum Meeresgrund, wo sie qualvoll ersticken.
Im Gegensatz zu den Flossen, die vor allem auf dem asiatischen Markt bis zu 500 Euro pro Kilogramm bringen, sind die Körper für die Fischer wertlos und aufgrund ihrer Größe ein „nerviger Ballast“.
Viele Millionen Haie sterben jedes Jahr auf diese grausame Art und Weise.

Wenn man sich jetzt fragt, was das Hai-Finning mit der EU zu tun hat, dann sollte man sich bewusst machen, dass die riesigen europäischen Fangflotten ca. ein Drittel der Flossen für den asiatischen Markt liefern!

Und zum anderen sind nicht nur außerhalb der EU Haie bedroht: Gleich mehrere „europäische“ Arten sind am Rande des Aussterbens. Und das nicht zuletzt auch deswegen, weil auch in Deutschland sehr viele Haiprodukte verkauft (und entsprechend auf GEkauft) werden. Z.B. die beliebten Schillerlocken, sind nichts weiter als die geräucherten Bauchlappen des gefährdeten Dornhais.
Aber die Verbraucher werden auch vorsätzlich getäuscht: Hinter den Fantasienamen Seeaal, Kalbsfisch, Steinlachs, Seestör und vielen anderen verbergen sich – Haie!

Aus diesem Grund regelt eine EU-Verordnung den Fang von Haien (der für viele Arten aber durchaus erlaubt ist) innerhalb der EU-Zone und für alle Fangboote, die unter EU-Flagge fahren. Darin steht, dass das Finning (also das Abschneiden der Flossen) nicht erlaubt ist. Soweit so gut. Allerdings gibt es wie immer Ausnahmen:

EU-Länder können Fischern besondere Fangerlaubnisse ausstellen, die es gestatten Haie an Bord zu verarbeiten – wobei natürlich die Flossen abgetrennt werden.

Um den Gebrauch davon einzuschränken wurde festgelegt, dass das Gewicht der Flossen zu dem Gewicht des „Rest-Körpers“ in einem bestimmten Verhältnis stehen muss. Das Flossengewicht darf maximal 5% des Gesamtgewichts betragen.

Hier liegt allerdings auch der Haken: Von internationalen Experten wurden zwar diese 5% vorgeschlagen – allerdings im Verhältnis zum Schlachtgewicht (also Gesamtgewicht abzüglich den nicht nutzbaren Innereien und dem Kopf). Die Organisation „sharkalliance.org“ hat dies auf das Gesamtgewicht umgerechnet und kommt auf 2%. Wir haben also eine Differenz von 3%, die von den Fischern für das Finning ausgenutzt werden können, ohne dass man sie dafür belangen kann.

„Sharkalliance.org“ hat dies in einem Beispiel schön verdeutlicht:

Nehmen wir einen 100kg schweren Hai, der „geschlachtet“ am Ende ca. 40kg wiegt und dessen Flossen ca. 2kg wiegen.

Bei 5% des Schlachtgewichts kommen wir auf 2Kg Flossen – also genau das Gewicht seiner eigenen Flossen.

Bei 5% des Gesamtgewichts kommen wir auf 5kg Flossen – Ein Fischer kann nun also so viele Haie fangen und Finnen, bis er die 5kg Flossen voll hat. Fängt er also gleichschwere Haie, so könnte er für den einen noch einmal 1,5 Haie fangen und finnen ohne belangt zu werden.

Aber eine weitere Regelung führt diese „Einschränkung“ ohnehin ad absurdum:

Den Fischern ist es nämlich erlaubt Flossen und Körper getrennt voneinander und sogar in unterschiedlichen Häfen anzulanden.

Kontrollmöglichkeit = Fehlanzeige!

Als Argument für die „Verarbeitung“ der Haie auf See wird von vielen Fischern angeführt, dass sich komplette Haie mit ihren Flossen schlecht und unwirtschaftlich an Bord lagern lassen.

Aber ist das wirklich ein Problem?

Nein! Und zu der Erkenntnis scheint jetzt auch die EU-Kommission endlich gekommen zu sein. Zum Schutz der Haie gegen das Finning wird jetzt überlegt, dass Haie grundsätzlich nur mit ihren Flossen angelandet werden dürfen. Zur besseren Lagerung dürften die Fischer die Flossen dann nur noch einschneiden (und an den Körper „anklappen“).

Diese Überlegungen müssen sofort umgesetzt werden – für viele Haiarten ist es leider schon fast zu spät!

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