Die CDU versucht sich im Internet

Eigentlich wollte ich gar nicht mal was zum heutigen Relaunch von www.cdu.de schreiben. Es gibt schließlich wichtigere Dinge im Leben als diesen neuen Auftritt der CDU zu kommentieren. Doch bei so vielen Dinge die da bei dem Internetauftritt zusammengekommen sind, muss man einfach – wenigstens einen kleinen – Kommentar dazu loswerden.

Es fing schon mit der Veröffentlichung an: Während der neue Auftritt schon beworben wurde, war der noch nicht einmal online. Schon einmal peinlich, aber – nun sagen wir mal – kann passieren.

Schauen wir uns die Startseite mal an:
Sie wirkt aufgeräumt, nichts Überflüssiges ist zu finden. Wie auf spd.de.
Die Spitzenkandidatin wird prominent verlinkt. Wie auf spd.de.
Communitys werden beworben. Wie auf spd.de
Der Newsletter fällt einem ins Auge. Wie auf spd.de
Auch das Spendentool darf nicht fehlen. Was soll ich sagen: Wie auf spd.de
Die CDU hat eine Mitmach-Community. Wie die SPD auf spd.de
Die Navigation ist rechts. Na gut, die ist bei spd.de – wie sollte es auch anders sein – links.

Zu guter Letzt: Das große Bild, nein, eher das Video, das ohne Javaskript nicht geht. Naja, wie auf spd.de halt.

Wenn man böse wäre, dann könnte man zur der Meinung gelangen, dass die CDU eine mehr oder minder gute Kopie von www.spd.de erstellt hat. Auch das Format der Mitglieder-Community „teAM Deutschland“ – man beachte das geistreiche Spiel mit den Anfangsbuchstaben von Angela Merkel – ist nichts neues. Schließlich hat die SPD schon seit einiger Zeit mit MeineSPD.net eine ähnliche Gemeinde am Start.

Ganz so „radikale“ Änderungen am Layout wie bei der SPD wollte die CDU dann aber scheinbar doch nicht. Wie bemerkt doch SPIEGEL.de sehr treffend:

Wer vergessen hat, wie das einmal aussah, braucht nur in eines der Themen hinein zu klicken und dann zurück auf den Navigationspunkt „Home“: Sobald man die neue Website einmal passiert hat, stellt man fest, dass sich drinnen absolut nichts verändert hat.

Ganz Hip scheint dieses Jahr ja das Produzieren und Veröffentlichen von kleinen Videos via YouTube zu sein. Da behauptet die CDU ja ganz dreist, dass sie 2008 als erste Partei in Deutschland auf YouTube gestartet sei (Die CDU, das muss man sich mal überlegen… *prust*). Wie Andreas Helsper in seinem Beitrag „CDU: Falschaussagen zur Aktivität auf Youtube“ schon verbloggt hat, ist dem natürlich nicht so. Er kommt bei seiner Recherche zu dem Ergebnis, dass die CDU nämlich als letzte Partei bei YouTube gestartet ist… Tja, Pech gehabt!

Auch Facebook und Twitter haben die wackeren Streiter von Angie Merkel inzwischen für sich entdeckt. Ganz im Stil von Barack Obama. Auf das sein Glanz und Erfolg auf Angie herabfalle! Dumm nur, dass die SPD auch hier schon die Nase vorn hat.

Den Wahlkampf von Obama scheinen sich die CDU-Strategen sehr genau angeschaut zu haben. Sie müssen davon so beeindruckt gewesen sein, dass sie sogar das Logo übernommen und ein wenig umgestaltet haben, wie Christian Soeder bei sich im Blog bemerkt.

Original von mir in leicht veränderter Form auf www.vorwaerts.de erschienen.

2 thoughts on “Die CDU versucht sich im Internet

  1. 26.02.2009 at 21:19

    Tach mal wieder,
    erstaunlich viel weniger Rummel um diesen Parteiversuch des Web zu erobern. Ich wollte mir ja auch nen Kommentar verkneifen. Aber nach meine fiesen Kritik am SPD-Relaunch musste ich zumindest für ein unentschieden sorgen…

    Gruß aus Hamburg

  2. 27.02.2009 at 16:11

    Das ist aber nett von dir, dass du dich überwunden hast 🙂

    Dass hier weniger Rummel abläuft als vor einiger Zeit per der SPD liegt vermutlich am Internet-Image der CDU und dann am Ende vor allem auch am Ergebnis. Viel fällt einem ja dazu tatsächlich nicht ein. Am liebsten würde man sagen „Setzen. Sechs“ oder „Versucht es noch mal.“

    Ich bin gespannt, was noch so alles kommen wird.