Besser ausbilden statt Ausbildung subventionieren

In der aktuell auf Bundes- und Landesebene geführten Diskussion um die Schaffung von Ausbildungsplätzen geht es vor allem um eins: Um Geld. Um mehr Ausbildungsplätze für die Jugendlichen bereit stellen zu können, denkt man lautstark über die Subventionierung von Ausbildungsplätzen nach. Sprich: Ein Unternehmen das Ausbildungsplätze schafft wird belohnt.

Dass das Unsinn ist, scheint man leider noch nicht begriffen zu haben. Gegen die geplante staatliche Einmischung in das Ausbildungssystem sprechen dabei mehrere Dinge.

Als erstes sollte von Unternehmen und der Politik begriffen werden, dass eine Ausbildung für die betreffenden Unternehmen nicht nur Geld kostet. Dieses Totschlagargument ist uns ja allgegenwärtig. Während viele (vor allem kleine und mittelständische) Betriebe in der Tat Probleme haben bei ihrer angespannten Situation zusätzliche Ausbildungsplätze zu schaffen, reden sich auch immer mehr große Unternehmen aus der Verantwortung.

Dabei ist das bei weitem nicht mehr so. Bei der klassischen Ausbildung sind es vor allem zwei Faktoren, die die Ausbildung so teuer machen: Die Ausbilder, die abgestellt werden müssen und die Aufgaben außerhalb der normalen Arbeits- und Geschäftsprozesse.
Doch diese Art der betrieblichen Ausbildung ist bei vielen schon längst überholt.
Der normale Ausbildungsalltag sollte heute so aussehen, dass Azubis aktiv in die richtigen Prozesse des Unternehmens eingebunden werden.
So ausgebildet rechnet es sich später für die Unternehmen: Neben der Grundlage für die spätere Übernahme wird der Auszubildende auch so geschult, dass er (oder sie) im zweiten oder spätestens im dritten Ausbildungsjahr produktiv eingesetzt werden kann.
Das heißt, dass sie dann Teile der Arbeit eines festangestellten Mitarbeiters übernehmen können – und dabei deutlich weniger verdienen als dieser. Nebenbei ist der Ausbilder nicht nur mit der reinen Ausbildungstätigkeit beschäftigt, sondern arbeitet weiterhin auch im Unternehmen mit.

Zweifelsohne ist beides ein Gewinn für das Unternehmen.
Und das schlägt sich auch in den Zahlen wieder. Den jährlichen Durchschnittsausgaben von 9000 Euro pro Azubi stehen Studien in Deutschland und der Schweiz zufolge Nettoerträge von durchschnittlich 300 Euro gegenüber. Wie oben beschrieben kostet die Ausbildung das Unternehmen also kein Geld – im Gegenteil: Es erwirtschaftet durch den Azubi sogar welches!

Eine gute Ausbildung bedeutet also, dass alle ihren Vorteil daraus ziehen können:
Das Unternehmen erwirtschaftet im Durchschnitt Nettoerträge und der Auszubildende bekommt eine gute Ausbildung und legt damit den Grundstein für seinen zukünftigen beruflichen Erfolg.

Im Umkehrschluss (und das haben die angesprochenen Studien auch belegt) sind schulisch-aufgebaute betriebliche Ausbildungen kostenintensiv und ineffektiv.

Folglich muss darüber nachgedacht werden, wie man Unternehmen bzw. ganze Wirtschaftsbereiche zur Änderung ihrer Ausbildungsarbeit bekommt. Denn vor allem in der Industrie ist diese Form noch stark verbreitet.
Hier muss also das Motto lauten: Aufklären statt Alimentieren.

Schafft man diese Kehrwende nicht, so wird das duale Ausbildungssystem in Deutschland auf lange Sicht hauptsächlich nur noch von massiven staatlichen Subventionen erhalten werden können. Und das ist etwas, was wir zum einen finanzpolitisch weder wollen noch können und was zum anderen im Prinzip ja auch gar nicht notwendig ist, wenn man jetzt dagegen steuert.